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Interviewoo mit wampediboo: Pitaya

Gepostet am Apr 27, 2019 von in Allgemein, Interviews | 1 Kommentar

Pitaya Yoga Berlin, Sara und Irina

Wer mit einer Hose von Pitaya ins Yogastudio spaziert, fällt auf.  Die bunten Designs ziehen die Blicke automatisch auf sich – und das sollen sie auch. Denn hinter dem jungen Berliner Modelabel stecken nicht nur zwei Frauen, die Bock auf bunte Beinbekleidung haben, sondern auch eine Nachricht. Frieden, Frauen oder Frida Khalo – jedes Design steht für ein anderes relevantes Thema. Hosen zum Nachdenken? Wie kommt man denn auf so ein Idee? Das habe ich Sara Bauchmüller von Pitaya im Interviewoo mit wampediboo gefragt. Sie stellt gerne mal die Welt auf den Kopf und ist damit ganz schön erfolgreich.

Auf einer Hose Marlene Dietrich und Marylin Monroe, auf der anderen der nigerianische Sänger Fela Kuti und eine mit Pflanzen gibt’s auch noch. Wie kommt ihr denn auf diese Design-Ideen?
Der Stil kommt von Irina, sie hat in der Mode gearbeitet und hat für größere Marken die Print-Designs gezeichnet. Sie lebt sich einfach komplett aus, in dem was sie macht. Das wird meist beeinflusst von den Orten, an denen sie gerade ist, daher gibt es auch die Mexiko- oder die Vietnam-Kollektion. Wir waren erst einmal länderabhängig, aber irgendwann haben wir angefangen, komplett frei zu designen.

Irina, Pitaya
Irina, Pitaya

Wie holt ihr da eure Inspiration?
Wir schauen Dokus, lesen Texte und so weiter. Und da macht Irina ein Mood-Board mit vielen Ideen. Dann wählen wir Farben aus – je nachdem ob es Sommer oder Winter ist.

Ihr geht ähnlich vor, wie in der Kunst. 
Sie nimmt ganz einfach ein Blatt Papier und zeichnet vor. Dann wird das mit Wasserfarbe ausgemalt, abfotografiert und digitalisiert. Da spielen wir dann nochmal mit Farben und drucken es schließlich auf die Leggings.

Sara Bauchmüller

Also ist Pitaya das Label für Yogis und Yoginis mit Interesse an gesellschaftlichen, kunterbunten und künstlerischen Themen –  und irgendwie auch kulinarischen…denn Pitaya ist ja der Name für die Drachenfrucht, die sticht ja auch irgendwie hervor.
Jap. Ganz genau. Wir waren erst nicht sicher, ob wir uns Comadre nennen sollen. Das ist auf spanisch sowas wie, hm, wie wenn du so eine Kumpelfreundin hast. Das haben wir nur nicht genommen wegen der Aussprache. Das wäre irgendwie seltsam gewesen, wenn niemand den Markennamen aussprechen kann. Dann haben wir Pitaya genommen. Obwohl sich den Namen oft auch viele nicht merken können. Pi…Was?!

Das kenne ich – mit wampediboo ist das ähnlich. Wampedi-was?! Aber letztlich ist das doch gut, weil sich die Leute dann damit beschäftigten und der Name vielleicht noch viel nachhaltiger im Gedächtnis bleibt…
Ja, das kann gut sein. Aber Pitaya passt eben auch ganz gut: Die Drachenfrucht ist bunt und auch die Form ist speziell. Extrovertiert. Außergewöhnlich. Als wir vor eineinhalb Jahren angefangen haben, war alles noch eher monofarbig und dunkel.

Und ihr wolltet einfach mal den Markt aufmischen und eure eigene Yoga-Kollektion machen? 
Haha, nein. Das kam alles eher spontan. Wir haben beide in Spanien ein Partnerakrobatik-Teacher-Training gemacht und uns dort kennengelernt. Wir haben beide gerade unsere Jobs gekündigt, sie war in Schweden und ich in London. Wir haben dort aber noch nichts Konkretes geplant. Danach bin ich nach Mexiko gegangen und sie war in Vietnam, glaube ich. Ich habe ihr dann irgendwann geschrieben: Schick mir doch mal was, ich mach daraus Anziehsachen. Dann hab ich meine Lieblingsleggings genommen und bin damit zu einem Familienunternehmen, das druckt und schneidert. Die haben mir dann das Frida-Design draufgedruckt. Und irgendwann bin ich nochmal hin und habe einen irre tollen Stoff entdeckt, der ist ganz weich. Da habe ich ganz wenige gemacht, die fanden dann alle toll. Also habe ich nochmal 20 gemacht. Irina hat mir weitere Prints geschickt und ich habe 200 Stück drucken lassen. So ging das weiter.

Und wann kam der Punkt, an dem ihr wusstet, dass ihr jetzt nicht mehr nur Hosen für Freunde produziert, sondern dass ihr das zu eurem Business macht?
Wir hatten das eigentlich nicht geplant. Wir hatten aber beide Spaß dran und weil es von Anfang an ganz gut lief, haben wir mehr Designs produziert, ich habe eine Website gebastelt und wir hatten direkt Bestellungen. Als ich vor eineinhalb Jahren nach Berlin kam, habe ich das Gewerbe angemeldet.

Seht ihr euch selbst als Vollzeit-Unternehmerinnen?
Also eigentlich wollen wir beide keinen Vollzeitjob. Ich würde sagen, wir sind zu 70 bis 80 Prozent Pitaya. Mehr soll es aber nicht werden, lieber stellen wir noch jemanden ein. Nebenher gibt Irina Tanzunterricht und ich biete Handstandklassen an.

Im Handstand werden also die neuen Pitaya-Hosen getestet?
Ja, also bei mir auf jeden Fall.

Was liebst du am Handstand besonders?
Er ist für viele eine ziemliche Herausforderung. Ich liebe es, den Leuten zu zeigen, wie sich sich selbst auf Händen tragen können. Ich übe den Handstand seit meiner Kindheit (und es liegt immer noch ein weiter Weg vor mir). Ich vermisse es sogar, upside-down zu stehen, wenn es ein paar Tage nicht gemacht habe. Es ist wie eine Therapie für den Körper und den Geist – und eine gute Sucht. In meiner Ausbildung zur Bewegungstherapeutin habe ich gelernt, dass Handstand eine der wenigen Übungen ist, bei der der komplette Körper involviert ist.

Sind die Hosen eigentlich nur für Yoga (und Handstand) gedacht?
Hergestellt haben wir sie als Yoga- und Streetfashion. Aber die wenigsten trauen sich, das auffällige Design auf der Straße zu tragen. Wir haben die Hosen viel auf Festivals gesehen. Das wissen wir, dass die da gut ankommen.

Wenn nicht gerade auf Festivals: Wo findet man eure Hosen noch?
Im Onlineshop. Aber wir haben auch noch in manchen Studios einen Pop-up-Store. 

Irina, Pitaya
Irina, Pitaya

Ein Teil der Einnahmen durch eure Kleidung fließt in soziale Projekte, richtig?
Also Irina ist auf jeden Fall diejenige, die immer antreibt, dass wir fair produzieren. Ich bin – auch wegen meiner früheren Arbeit – diejenige, die sich sozial orientiert. Also sagte ich: Wenn wir eine Kollektion machen zu „Women Empowerment“, dann will ich auf jeden Fall etwas an eine Organisation spenden, die sich mit dem Thema beschäftigt.

Und wie setzt ihr Irinas Wunsch der Nachhaltigkeit um?
Die nächste Kollektion wird sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Wir wollten erst etwas zum Thema Bio und Essen, jetzt haben wir das spielerisch ausgeweitet auf die Meere, auf das Universum. Ein Print zeigt zum Beispiel Menschen beim Einkaufen – mit wiederverwendbarer Tasche als kleines Detail. Manchen Leuten fällt das auf, manchen nicht. Und das ist voll okay. Auf jedem Label steht noch eine nähere Produktbeschreibung. 

Und wie nachhaltig sind eure Stoffe?
Also da haben wir das Problem, dass wir mit dem Stoff, den wir jetzt haben, von Anfang an so zufrieden waren, dass wir jetzt nicht wirklich einen Biostoff finden, der genauso gut ist. Und bei uns kommt dazu: Wenn du mit so vielen Farben produzierst, musst du eine gewisse Stoffqualität haben, damit die Farbe hält. Das hält in Bio-Stoffen nicht so lang. Und wenn Bio-Stoffe einmal gedehnt sind, stretchen die sich nicht wieder zusammen. Wir suchen aber weiter. Aber für uns ist eben auch wichtig, dass die Hosen beim Sport oder beim Yoga gut sitzen. Die Qualität darf nicht verloren gehen. 

Sara Bauchmüller

Sara Bauchmüller

hat nach ihrem BWL- und VWL-Studium auf Deutsch, Spanisch und Englisch studiert. Sie hat unter anderem bei der globalisierungskritischen Organisation Attac gearbeitet. Außerdem hat sie Bewegungstherapie studiert und gibt nun Handstandunterricht in Berlin.

Irina, Pitaya

Irina

kommt aus der Nähe von Barcelona. Sie hat Kunst und Mode studiert, mischte beide Leidenschaften und arbeitete als Fashion Print Designer bei großen Labels. Später arbeitete sie als Freelancer. Das brachte sie näher zu Yoga, Meditation, Tanz „and other enriching experiences that are my source of inspiration and the thread of the flow fot the next adventure“, sagt sie selbst. Auf diesem Weg lernte sie Sara kennen, mit der sie Pitaya gründete. Sie sagt über Pitaya: „It’s precious to see Pitaya grow and priceless to realize that the spirit and intention behind the brand shakes the soul of our customers.“


1 Kommentar

  1. Ich freu mich!
    Da ist eine wundervolle Frauenpower mit viel Kreativität und Inspiration auf beiden Seiten zu spüren.

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